HENSOLDT

liefert lösungen

2 Segmente,
4 Divisionen

ein Ziel

Service
anders gedacht

Vertrieb
vom Produkt- zum
Lösungsanbieter

Eurofighter
eine Jahrhundert-​Chance

FCAS
die Lufthoheit liegt in den Wolken

MGCS
Gepanzerte
Intelligenz

MAWS
wenn Fregatten
fliegen lernen

Go, HENSOLDT GO!

Das Geschäft von HENSOLDT ist in zwei Segmente gegliedert: Sensoren und Optronik. Das Segment Sensoren beinhaltet drei Divisionen: Radar, IFF & COMMS, Spektrumdominanz & luftgestützte Lösungen und Kundendienstleistungen. Das Segment Optronik deckt unsere Optronik-Division ab. Gemeinsam treiben beide Segmente das globale Wachstum voran und erzielen dabei jedes für sich beachtliche Erfolge.

Die Leiter unserer drei Produktdivisionen erläutern ihre Höhepunkte dieses Jahres und ihre Pläne für 2020.

Radar, IFF & COMMS

Erwin Paulus

„Missionskritische Premiumprodukte in den Bereichen Verteidigungs- und Sicherheitsradar, Luftverkehrsüberwachung einschließlich Freund-Feind-Erkennung (IFF) und Datenkommunikation für Luft-, See- und Landplattformen verschiedenster Hersteller weltweit zählen traditionell zum Kerngeschäft von HENSOLDT. Zusammengefasst sind diese Produkte in unserer Division Radar, IFF & COMMS. 2019 konnten wir unser Produktportfolio in dieser Division um einige interessante Neuerungen erweitern:

Neben den ersten Prototypen unseres TRML-4D – der Bodenvariante unseres ebenfalls neuen, digitalen 4D-Schiffsradars – haben wir unsere Radar-Produktfamilie SPEXER 2000 zur Grenz-, Infrastruktur-, Perimeter- und Küstenüberwachung um ein 3D-Modell erweitert. Wir haben den ersten Auftrag für unser luftgestütztes Mehrzweck-Überwachungsradar PrecISR erhalten und den ersten Prototyp für die Flugerprobung ausgeliefert. Und schließlich wurde das HENSOLDT-Identifikationssystem MSSR 2000 ID (Monopulse Secondary Surveillance Radar) als erstes Nicht-US-Produkt ohne Einschränkungen vom amerikanischen Verteidigungsministerium zertifiziert. Damit erfüllen wir alle Voraussetzungen zur Lieferung von IFF-Geräten für die bevorstehende Umstellung aller NATO-Identifikationssysteme auf den zukünftigen Mode-5-Standard.

Im Rahmen des jährlichen Kongresses der amerikanischen Zulassungsbehörde für IFF-Geräte konnte HENSOLDT auch den offiziellen Launch des nichtrotierenden IFF-Systems NESIS 4000 (Naval Electronically Steered IFF System) mit den internationalen Besuchern feiern. Im Jahr 2020 wird bereits ein erster Kunde aus Skandinavien NESIS 4000 erhalten.

Für 2020 planen wir, das erste Exemplar unseres Airport Surveillance Radar (ASR) am Frankfurter Flughafen zu installieren, die ersten TRML-4D-Bodenradare auszuliefern und voraussichtlich die ersten Aufträge für unser neues Passivradar zu erhalten. Außerdem steht mit der Auftragsvergabe für das neue Mehrzweckkampfschiff 180 (MKS 180) der Deutschen Marine die wichtige Entscheidung über die mit mehr als 5 Mrd. Euro größte Investition der deutschen Bundeswehr an. Ferner erwarten wir 2020 den Auftrag für das neue Eurofighter Common Radar System (E-CRS) Mk1, für das HENSOLDT erstmals in seiner Geschichte die Radarsystemverantwortung übernimmt.

2019 erzielte die Division einen Umsatz von 361,7 Mio. Euro. Mit unseren Top-Innovationen im Bereich des digitalen Radars sind wir auch für die Zukunft bestens aufgestellt.“

„Mit Überlegenheit nicht nur zu Lande, zu Wasser und in der Luft, sondern im gesamten elektromagnetischen Spektrum und Cyberspace ermöglichen wir es unseren Kunden, sowohl im Verteidigungsbereich als auch im Nicht-Verteidigungs-Umfeld Gefahren frühzeitig zu erkennen und sich davor zu schützen. Wir entwickeln spezielle Sensoren zur Erfassung von Daten, intelligente Software zur Verarbeitung und Tools zum Schutz, zur Behinderung oder zur Manipulation des Zugriffs auf diese Daten. Damit stellen wir die Informationsüberlegenheit für unsere (End-)Kunden sicher – und nicht zuletzt militärischen Erfolg.

Unser Portfolio an luftgestützten Lösungen bietet eine breite Palette an Avionik für bemannte und unbemannte Plattformen, Verteidigungs- und Nicht-Verteidigungsplattformen sowie Orientierungssysteme für schlechte Sichtbedingungen, die unser Sensorportfolio nutzen. Der Begriff ‚Luftgestützte Lösungen‘ spiegelt unsere Fähigkeit wider, integrierte luftgestützte Systeme zu liefern, die unser Avionik-Portfolio mit dem Rest unserer Palette an Sensoren kombinieren. Dieser Ansatz unterstreicht unseren Anspruch, unsere Marktposition als starker Missionssystempartner für große europäische Programme auszubauen.

Zu den Highlights des Jahres 2019 zählen folgende Themen:

Im Bereich Spektrumdominanz war die Markteinführung unserer neuen KALÆTRON-Produktfamilie ein großer Erfolg. Im Rahmen der Konferenz für elektronische Kampfführung (EW Europe) in Stockholm hat HENSOLDT im März den ‚KALÆTRON RWR‘ (RWR = Radar Warning Receiver) vorgestellt, der den Schutz von Starrflügler-Flugzeugen und Hubschraubern vor radargesteuerten Waffen revolutioniert. Auf der Pariser Luftfahrtschau in Le Bourget im Juni folgte dann die Vorstellung des Signalaufklärungssystems (SIGINT) ‚KALÆTRON Integral‘. Mit diesem lassen sich sowohl Kommunikations- als auch Radarsignale erkennen und umfassend auswerten.

Bei der International Fighter Conference in Berlin hat HENSOLDT im November gemeinsam mit Airbus erste Details des neuen Konzepts für die elektronische Kampfführung (Electronic Combat Role – ECR) beim Eurofighter präsentiert. Dazu haben wir ein hochmodernes, auf der KALÆTRON-Produktfamilie basierendes Escort-Jammer-Konzept entwickelt.

Auch im Nicht-Verteidigungs-Bereich sind wir ein wichtiger Partner für die Überlegenheit im elektromagnetischen Spektrum, zum Beispiel mit unseren Spectrum-Monitoring-Systemen, die Telekom-Regulierungsbehörden, dem Heimatschutz und maritimen Institutionen wertvolle Informationen darüber liefern, wie das Funkspektrum genutzt wird. 2019 konnten wir für diese bereits in vielen Ländern im Einsatz befindlichen Systeme einen großen internationalen Auftrag und zudem die Independent Communication Authority of South Africa (ICASA) als neuen Kunden gewinnen.

Im Bereich luftgestützte Lösungen haben wir 2019 nicht nur unser Avionik-Portfolio um einen neuen Flugschreiber für Leichtflugzeuge, kleine Hubschrauber und Drohnen ergänzt, sondern auch wichtige Verträge für die Weiterentwicklung unserer Produkte unterschrieben, unter anderem einen Vertrag mit Airbus Helicopters, um den Hubschrauber-Missionscomputer ETMC (EuroGrid Tactical Mission Computer) mit neuen Funktionalitäten auszustatten.

Auch im Bereich Urban Air Mobility engagieren wir uns im Rahmen einer europäischen Initiative, um den regulatorischen Rahmen für die zukünftigen VTOL (vertikale Start- und Landeflugzeuge) zu definieren, Flugrouten in den Städten und Regionen festzulegen sowie die technischen Lösungen, die für einen autonomen Flugbetrieb unabdingbar sind, bereitzustellen. Schon heute liefern wir beispielsweise erste Bodensysteme, die eine Überwachung und Steuerung von unbemannten Flugobjekten und die Kontrolle ihrer Routen erlauben (siehe Kapitel HENSOLDT Innovationen: Flugtaxis – autonom und sicher).

Zu den bedeutendsten Erfolgen dieses Jahres für die Zukunft von HENSOLDT im Bereich Airborne Solutions gehört unsere Beteiligung an einer Konzeptstudie der deutschfranzösischspanischen Initiative zur Entwicklung eines zukünftigen Luftkampfsystems – des ‚Future Combat Air System‘ (FCAS). Mit einem erwarteten Einsatzzeitraum von mindestens mehreren Jahrzehnten gilt FCAS als eines der größten und umfassendsten europäischen Zukunftsprojekte der Verteidigungswelt. HENSOLDT hat mit anderen deutschen Industriepartnern das deutsche FCMS-Konsortium gegründet, mit dem Ziel, gemeinsam die Verantwortung für das komplexe Thema des vernetzten Einsatzes von Sensoren und Effektoren im FCAS-Netzwerk zu übernehmen (siehe Kapitel HENSOLDT liefert Lösungen: FCAS – die Lufthoheit liegt in den Wolken).

Und das sind nur einige der zahlreichen Highlights unserer Division im Geschäftsjahr 2019, in dem wir 276,7 Mio. Euro Umsatz erzielt haben.“

Optronik

Andreas Hülle

„Die Herstellung von optronischen und optischen Produkten für verteidigungs- und sicherheitsrelevante Anwendungen liegen in der vielzitierten DNA von HENSOLDT. Heute werden unsere Lösungen in den Bereichen Tagsicht, Wärmebildtechnik, Restlichtverstärkung, Laser-Entfernungsmessung und -Stabilisierung auf verschiedenen Plattformen eingesetzt – darunter U-Boote, gepanzerte Fahrzeuge, Flugzeuge, unbemannte Luftfahrzeuge und Satelliten. Mit der Robustheit und Modularität unserer kundenspezifischen Produkte haben wir uns weltweit einen Namen gemacht.

So war 2019 auch von einer Vielzahl neuer Aufträge geprägt. Hier ein kleiner Auszug:

Unsere umsatzstärksten Anwendungen in den Bereichen ‚Land und Sicherheit‘ konnten in Algerien einen Großauftrag zur Grenzsicherung gewinnen. Voraussichtlich 2020 wird die Sicherung weiterer Grenzabschnitte hinzukommen, und der Auftrag könnte beispielsweise auf den Schutz von Ölfeldern ausgeweitet werden. Zusätzlich haben wir das 350. Optronik-Technologiesystem für Puma-Panzer geliefert und einen großen Auftrag für Leopard-Modernisierungen erhalten.

Mit unseren ‚Marine‘-Anwendungen sind wir außerhalb der USA Weltmarktführer bei Periskopen für U-Boote und optronische Mastsysteme (Laserent-fernungsmesser, Tag-/Nachtsichtkameras). 2019 konnten wir hier einen Auftragseingang in einer bisher noch nie dagewesenen Höhe verzeichnen, unter anderem von der türkischen, pakistanischen und indischen Marine. Außerdem werden wir in Zukunft auch die U-Boote der thailändischen Marine ausstatten.

Auch unsere Anwendungen in den Bereichen ‚Luft- und Raumfahrt‘ waren 2019 von zahlreichen Erfolgen geprägt. Neben Satelliten-Kommunikationssystemen hat uns das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) mit der Lieferung von Komponenten für die so genannte JUICE-Mission (Jupiter Icy Moons Explorer) beauftragt, die 2022 starten soll.

Und schließlich haben wir erfolgreich Flugversuche zum Testen unserer Wide-Area-Motion-Imagery-Technologie (WAMI) abgeschlossen. Bei der so genannten weiträumigen persistenten Überwachung ist das Ziel, ein umfassendes Lagebild zu erstellen. Mit den Flugversuchen konnte entsprechendes Bildmaterial aufgenommen werden. Als verteidigungsrelevante Anwendung kommen zukünftig beispielsweise der Feldlagerschutz aber auch die Großprojekte FCAS oder MAWS zur Seeaufklärung in Frage. Im Nicht-Verteidigungsbereich wird insbesondere die Nutzung zum so genannten Crowd Monitoring, beispielsweise die Überwachung von Massenveranstaltungen, anvisiert.

Darüber hinaus liefert unser auf Fernrohre spezialisierter Standort in Wetzlar unter anderem mit der kompletten Zieloptik und einem Nachtsichtvorsatz einen wichtigen Beitrag für den ‚Infanteristen der Zukunft‘ der deutschen Bundeswehr. Zudem haben wir unseren Standort in Südafrika erfolgreich zum Engineering Hub ausgebaut. Insgesamt haben wir 2019 einen Umsatz von 277,4 Mio. Euro erzielt, und auch für 2020 stehen alle Zeichen bei uns auf ‚Go‘.“

Über einige der wichtigsten, genannten Produktinnovationen berichtet dieser Geschäftsbericht auf den nachfolgenden Seiten detailliert.

Muss der Dienst am Kunden ein Nebengeschäft sein? Nein! Bei HENSOLDT ist er sogar elementarer Bestandteil des Kerngeschäfts und trägt stark zum Wachstum bei.

Produkte von HENSOLDT müssen nicht selten mehrere Jahrzehnte lang halten, sie müssen sich in dieser Zeit an neue Herausforderungen anpassen lassen, und ihre Benutzer müssen fortlaufend und immer wieder neu im Umgang mit ihnen trainiert werden. Darum hat HENSOLDT seinen Kundendienst von Beginn an anders gedacht und ihn in drei strategische Bereiche unterteilt.

Drei Bereiche – ein Ziel

Im Zentrum steht der „Aftermarket Product and System Support“. Mit unterschiedlichen Serviceverträgen bis hin zum „Full Service“ wie beim Eurofighter sichert er ein Produktleben lang die Funktionalität, von der nicht selten Menschenleben abhängen. Als neuer Wachstumsmarkt sind in den vergangenen Jahren die „Simulation Solutions“ hinzugekommen, in denen der Umgang mit den immer komplexer werdenden Lösungen erlernt werden kann. Und die „Special Services“ bieten maßgeschneiderte Lösungen für das HENSOLDT-Produktportfolio aber auch darüber hinaus für Drittanbieter an. Die komplementären Trainingskurse bilden mit ihrem modularen Konzept eine Art Schnittstelle zwischen HENSOLDT-Geräten und den Personen, die sie bedienen und warten.

Basierend auf jahrzehntelanger Erfahrung liefern alle drei Bereiche – mit ihren hochqualifizierten Mitarbeitern jeder für sich erfolgreich – einen wesentlichen Geschäftsbeitrag.

Von der Entwicklung bis zur Ausmusterung

Dem umfassenden Kundendienst liegt bei HENSOLDT die Philosophie zugrunde, dass die Systeme des Hauses nicht wie Konsumgüter nach oft kurzer Zeit ersetzt werden, sondern vielmehr dank offenem Design immer wieder überarbeitet und aktualisiert werden können. Nicht nur die Hardware, auch die Software muss sich oftmals über Jahrzehnte bewähren und aktualisieren lassen – selbst wenn beispielsweise der ursprüngliche Software-Anbieter sein System nicht mehr pflegt.

Um dies gewährleisten zu können, unterstützt der Kundendienst bei HENSOLDT bereits die Entwicklung neuer Produkte aus der Sicht der späteren Käufer. Schon in dieser Frühphase wird auch gemeinsam mit Kunden das Servicekonzept entwickelt, das spätere Wartungsintervalle und Schulungen bis hin zur Ersatzteillagerung definiert.

Routiniert und professionalisiert wird so der Einsatz der immer komplexer werdenden technischen Lösungen des Hauses zu für die Kunden kalkulierbaren Kosten sichergestellt. Die sprichwörtlichen „Alarmglocken“ schrillen jedoch immer dann, wenn mal etwas nicht so funktioniert, wie es sollte. Dann ist der „Global Field Service“ von HENSOLDT gefragt, der die Kunden weltweit im wahrsten Sinne des Wortes mit Rat und Tat unterstützt. Kurzfristig treten Servicemitarbeiter Reisen bis zu den entlegensten Orten der Erde an. Immer das notwendige Material im Gepäck, sofern die Export- und Zollbestimmungen dies kurzfristig zulassen.

Wenn Theorie zur Praxis wird

Dass es für den Kundendienst dabei schon fast zur Normalität gehört, neue Wege einzuschlagen, belegen die „Simulation Solutions“. Aus dem Kundenservice für Simulatoren des ehemaligen EADS-Geschäftsbereichs hat sich inzwischen ein eigenständiges Geschäftsmodell mit erheblichem Wachstumspotential entwickelt. Schon heute ist HENSOLDT beispielsweise Anbieter von Eisenbahnsimulationen für Lokomotivführer in Deutschland, Italien und Indien. Und auch im Verteidigungs-Bereich steigt aufgrund der wachsenden Anforderungen an die Bedienung der immer komplexer werdenden Technik der Bedarf an Simulatoren. So entwickelt HENSOLDT derzeit Ausbildungs-Simulatoren für die Radare des Hauses – natürlich unter Federführung des Kundendienstes.

Langfristig erfolgreich

Kunden schätzen nicht nur unseren Kundendienst, er bindet sie auch stärker ans Unternehmen. Der häufig langfristige Charakter unserer Verträge sorgt zudem für planbare Umsätze mit hohem Ergebnisanteil.

Mit weltweiten Service-Stationen betreut der Kundendienst von HENSOLDT hunderte Kunden. 2019 durch die Akquise eines australischen Dienstleisters, der in der APAC-Region aktiv ist und nun als HENSOLDT Australien firmiert, ergänzt, weist die globale Service-Landkarte von HENSOLDT heute damit so gut wie keine weißen Flecken mehr auf.

Temur Karbassioun (Head of Customer Services) und Peter Schlote (Chief Operating Officer)

Bei einem Einsatz in Chile konnte der Global Field Service von HENSOLDT eindrucksvoll seine Schlagkraft unter Beweis stellen. Dort stieß der Kunde, ein in den Bereichen Luft- und Raumfahrt sowie Verteidigung tätiges Unternehmen, bei der Ausrüstung eines Schiffes für die chilenische Marine plötzlich auf ein Problem und meldete sich umgehend. Für das HENSOLDT-Team der Beginn einer ereignisreichen Woche.

Nach ersten Ferndiagnosen stellte das Team die eventuell benötigten Teile zusammen und forderte die notwendigen Dokumente für die Zoll- und Exportkontrolle an. Ein aufwändiger bürokratischer Prozess begann, der jedoch bereits nach drei Tagen erfolgreich abgeschlossen werden konnte. Mit den Teilen machte sich das Team auf den Weg und erreichte nach 30-stündiger Anreise – insgesamt nur vier Tage nach dem Erstkontakt – den Einsatzort in Chile.

Die speziell für das Produkt – in diesem Fall ein TRS-4D-ROT-Radar – ausgebildeten Techniker begannen mit ihrer Arbeit. Die Vor-Ort-Analyse belegte: Die Kühlung funktionierte nicht richtig. Vor Ort zerlegt, repariert und wieder montiert zeigte die abschließende Prüfung: Das Radar funktioniert wieder einwandfrei. Weniger als eine Woche nach dem ersten Anruf erreichten die Mitarbeiter wieder ihren Heimatstandort in Kiel und konnten vermelden: Problem gelöst.

Mit seinem Produkt- und Regionalvertrieb zeigte sich HENSOLDT bislang sehr gut aufgestellt. Weil jedoch immer mehr Kunden nach umfassenden Angeboten verlangen, sucht und bietet der zusätzliche neue Domain-Vertrieb nun gezielt auch Lösungen über die Geschäftsbereiche hinweg.

Dieser Ansatz basiert auf dem wachsenden Bedürfnis unserer Kunden nach umfassenden Lösungen für Kapazitätslücken. Zu diesem Zweck müssen verschiedene Plattformen und Einsatzanforderungen unabhängig von den zur Verfügung stehenden Produkten analysiert und angemessene Lösungskonzepte entwickelt werden. Erst dann wählt HENSOLDT die verschiedenen Produkte für das Angebot aus. Dies erlaubt es HENSOLDT, neue Verkaufsgelegenheiten zu erschließen und beispielsweise zusätzliche Sensoren, Datenverknüpfungen oder umfassende Lösungen in Kombination mit individuellen Radaren oder Kameras anzubieten.

Ein Team – eine Mission – ein Ziel

In Zeiten der Globalisierung und immer komplexer werdender Produkte und Lösungen braucht ein guter Vertrieb eine 360-Grad-Sicht auf seine Kunden. Wenn beispielsweise der Hersteller eines Schiffes für die Marine ein Radargerät für seine neue Fregatte bestellt, können andere Produkte ebenfalls durchaus interessant für ihn sein – von verschiedensten Sensoren zur Umfeld-Überwachung über Warnsysteme zur Laser- oder Radarerfassung bis hin zu modernster Navigations-Technologie. Zunehmend fokussieren sich Kunden auf Lösungen, die zur Schließung von Fähigkeitslücken beitragen. So umfasst beispielsweise eine Selbstschutzfähigkeit nicht nur den Sensor zur Detektion von Bedrohungen, sondern ebenso weitere Komponenten zur Einleitung und Führung von Gegenmaßnahmen, welche zum Teil ebenfalls von HENSOLDT angeboten werden können. Ein Beispiel ist die Detektion eines Zieles durch das Radar, welches optisch über eine Kamera als Bedrohung identifiziert und mithilfe eines Datenlinks durch eine Gegenmaßnahme neutralisiert wird. Insbesondere in solchen Szenarien bieten dann Einzel-Produkte im Rahmen einer integrierten Gesamtlösung echten Mehrwert. Gleiches gilt für Projekte wie das Future Combat Air System, dessen Besonderheit von vornherein in dem strategischen Zusammenspiel unterschiedlichster Systeme liegt.

Diesen lösungsorientierten Ansatz verfolgen nun im HENSOLDT-Vertrieb die Domains „Luft“, „Land“, „See“, „Sicherheit“ und „Sonstige“ (einschließlich „Weltraum“, „Cyberspace“ und „Services“). Mit einem kleinen, kompetenten Team, das je nach Anfrage temporär um Spezialisten beispielsweise aus dem Produktvertrieb aber auch der Entwicklung erweitert werden kann, können sie individuell auf die unterschiedlichsten Kundenwünsche eingehen. Der Blick auf das gesamte HENSOLDT-Portfolio mit allen vier Divisionen zeigt neue Chancen und das Potenzial für neue Marktsegmente auf. Gleichzeitig ermöglicht die neue Struktur auch intern eine marktgerechte Strategie- und Portfolio-Ausrichtung über die Geschäftsbereiche hinweg – zusätzlich unterstützt durch die inzwischen ebenfalls erfolgte Umorganisation der Kommunikation nach den Domains.

Immer den Kunden im Blick

Den ersten öffentlichen Auftritt hatte die neue Domain-Struktur im September 2019 auf der internationalen Rüstungsmesse DSEI in London. Erstmals präsentierte sich HENSOLDT dort mit einem Stand, auf dem nicht länger einzelne Produkte, sondern die übergreifende Domain-Kompetenz zu Land, zur See, in der Luft, im Weltraum sowie in den Bereichen Cyberspace, Services und Sicherheit im Vordergrund stand.

Das entspricht im Übrigen auch zunehmend dem Wunsch von Partnern und Kunden. Über seine Kompetenz als Produktlieferant hinaus kann sich HENSOLDT so als Lösungsanbieter für Verteidigung und Sicherheit positionieren, der alle Aspekte eines Projekts berücksichtigt.

Mit der Übernahme der Verantwortung für das neue Radarsystem des Eurofighters beginnt für HENSOLDT eine neue Zeitrechnung. Als Systemanbieter eröffnet sich ein riesiges Geschäftspotential – auch für zukünftige Aufträge.

Schon bisher baut das in verschiedenen Versionen im Eurofighter verwendete CAPTOR-M-Radar mit mechanisch bewegter Antenne auf Technologie von HENSOLDT und wird von den Piloten als besonders leistungsfähig gelobt. Am Ende seines Entwicklungspotentials angekommen wird es jetzt durch ein Radar mit elektronischer Schwenkung ersetzt: das CAPTOR-E. Mit seinen über 1.400 direkt in die Antenne integrierten Sende- und Empfangsmodulen kann es mehrere Aufgaben, wie z.B. Bodenüberwachung, Zielverfolgung und Flugkörperlenkung, gleichzeitig erfüllen und steigert so die Leistungsfähigkeit des Eurofighters erheblich.

Für CAPTOR-E produziert HENSOLDT die Antenne mit Sende- und Empfangsmodulen sowie Teile des Prozessors, des Receivers und der Software. Parallel dazu erwartet HENSOLDT den Beginn der Entwicklung des zukünftigen „Eurofighter Common Radar System“ (ECRS) Mk1, welches noch mehr auf der mehrkanaligen Empfangsfähigkeit basierende Fähigkeiten aufweist. Falls das Projekt, welches derzeit von den beteiligten Staaten Deutschland und Spanien geprüft wird, weiterverfolgt wird, ermöglicht dies auch neue operative Rollen des ganzen Luftfahrzeugs, insbesondere in der Luft-Boden-Aufklärung. Beim ECRS Mk1 würde HENSOLDT erstmals nicht nur als Sub-System-Zulieferer innerhalb des Euroradar-Konsortiums auftreten, sondern das gesamte System-Design verantworten.

Hohe Anforderungen

Kampfflugzeug-Radare zählen seit den 1960er Jahren neben Boden- und Schiffssystemen zu den Spezialitäten von HENSOLDT. Piloten im Starfighter, Tornado, der Phantom und im Eurofighter konnten sich auf sie verlassen. Insofern ist die Übernahme der gesamten System-Design-Verantwortung für das neue Eurofighter-Radar die logische Konsequenz aus der gesammelten Radar-Expertise von HENSOLDT.

Neben der Entwicklung und Zulieferung für das CAPTOR-E-Radar erwartet HENSOLDT, zukünftig auch mit der Definition, Koordination und Verifikation von Schnittstellen zum neuen Gesamtsystem des Kampfflugzeugs in Verbindung mit dem ECRS-Mk1-Radar beauftragt zu werden. Hinzu kommen die Integration, die Entwicklung von software-basierten Erweiterungen der Radar-Funktionalität sowie Zulassungsfragen.

So würde, im Falle einer Genehmigung, das nächste Eurofighter-Radar ECRS Mk1 zu einem HENSOLDT-Komplettsystem werden.

Gelebter Wandel

Mit der enormen Verantwortung geht dabei auch ein grundlegender Wandel einher, der sich durch viele Bereiche des Unternehmens zieht. Schon in der Angebotsphase arbeiteten Teams aus verschiedensten Bereichen mit teilweise neu eingeführten, agilen Methoden übergreifend zusammen. Zukünftig – soweit möglich – auch auf die Hardware-Entwicklung ausgedehnt, soll so ein harmonischer Dreiklang aus Produkt-Management, System-Architektur und agilen Softwareentwicklungsteams entstehen.

Gleichzeitig würden das CAPTOR-E und das Mk1-Projekt auch am Standort Ulm für zahlreiche Veränderungen sorgen, da sie über 5.000 qm Nutzfläche benötigen würden, von der weit mehr als die Hälfte als Sperrzone ausgewiesen werden müsste. Auch die Anzahl der derzeit rund 165 Mitarbeiter für dieses Projekt würde sich in den kommenden Jahren nahezu verdoppeln.

Neue Geschäftsmöglichkeiten

Doch die Investition in die Zukunft lohnt sich, aufgrund der Sicherung äußerst wertvoller Entwicklungs- und Produktionsaufträge des CAPTOR-E.

Und das ist erst der Anfang. Mit der System-Design-Verantwortung für das ECRS Mk1 würde HENSOLDT die Chance bekommen, sich mittelfristig zum Systemanbieter für Fighter-Radare zu entwickeln. Möglicherweise nicht nur für den Eurofighter, sondern auch für künftige fliegende Plattformen.

Dr. Thomas Buro (Head of Eurofighter Radar)

Das derzeit in Definition befindliche „Future Combat Air System“ – kurz FCAS – wird ab 2040 die Luftkampffähigkeit Europas auf eine neue Ebene bringen. HENSOLDT plant, bei diesem gigantischen Zukunftsprojekt seine Visionen als Entwickler neuer Produkte und Fähigkeiten einzubringen.

Deutschland, Frankreich und Spanien sind sich bereits einig: Europa soll ein Kampfflugzeug der sechsten Generation, den sogenannten Next Generation Fighter (NGF), bekommen. Der NGF soll, wie auch die bestehenden Waffensysteme Eurofighter und Rafale, über eine „Combat Cloud“ mit anderen Einheiten in der Luft und am Boden vernetzt zusammenwirken können. Und das ist erst der Anfang: Denn in der Cloud sollen auch die Daten von Sensoren und Effektoren, von bemannten und unbemannten Flugzeugen zu einem gemeinsamen „System of Systems“ zusammenfließen. Mit einem Einsatzzeitraum von mehreren Jahrzehnten gilt FCAS als eines der größten und umfassendsten Zukunftsprojekte der Verteidigungswelt in Europa.

Über den Tellerrand

Daten, ihre Übertragung und Nutzung sowie die daraus resultierende Informationsüberlegenheit sind ein Kernelement des ganzen Portfolios von HENSOLDT. Dieser Entwicklung trägt das Unternehmen mit seiner neu gegründeten Dimension „Domain“ Rechnung. In ihr werden produkt- und divisionsübergreifend Lösungen der Zukunft entwickelt – für die Anwendungsgebiete „Luft“, „Land“, „See“, „Sicherheit“ und „Sonstige“ (einschließlich „Weltraum“, „Cyberspace“ und „Services“). Denn der Wert von Daten endet nicht bei ihrer Nutzung für einzelne Waffensysteme oder Produkte.

Das passt perfekt zu FCAS, denn auch hier werden und müssen alle Systeme zusammenarbeiten. Nicht nur „in der Luft“, sondern auch in dem ebenfalls in Entwicklung befindlichen „Maritime Airborne Warfare System“ (MAWS) (siehe Kapitel HENSOLDT liefert Lösungen: MAWS – wenn Fregatten fliegen lernen) und dem geplanten „Main Ground Combat System“ (MGCS) (siehe Kapitel HENSOLDT liefert Lösungen: Gepanzerte Intelligenz).

Um die übergreifende Architektur dieses Missions- und Führungssystems mit zu entwickeln, bündelt unter anderem HENSOLDT die deutschen Interessen gemeinsam mit den Unternehmen ESG, Diehl Defence und Rohde & Schwarz in dem FCMS-Konsortium. Denn in Zukunft werden sich nicht die Systeme den Produkten oder Plattformen anpassen müssen, sondern vielmehr umgekehrt; im Fall von FCAS beispielsweise die Kampfflugzeuge, Kampfhubschrauber und Drohnen dem übergreifenden Future Combat Mission System.

Übergreifende Potentiale

Insgesamt wird FCAS im gesamten Einsatzzeitraum ein geschätztes Investitionsvolumen von ungefähr 300 Mrd. Euro aufweisen. Neben der Systemarchitektur schafft dabei der NGF als geplanter Nachfolger für Eurofighter und Rafale zusätzliche Geschäftschancen für die Radar-, EloKa- und Avionik-Bereiche von HENSOLDT. Und auch die Drohnen von morgen werden Radar, Optronik und Avionik benötigen.

Aktuell läuft die Erstellung einer Konzeptstudie für die künftige Einsatzstruktur und die Ausrüstungsanforderungen, an der HENSOLDT als nationales Sensorhaus und eine von sieben deutschen „Lead Industries“ mitwirkt. Ab 2021 sollen zudem erste Demonstratoren für Kampfflugzeug, Drohne, Sensorik und die Combat Cloud entwickelt werden, die in einem ebenfalls neuen Simulationslabor getestet werden können. Mit dabei: HENSOLDT.

Bereit für morgen

Welche Möglichkeiten in der Verbindung von Daten unterschiedlicher Systeme liegen, konnte HENSOLDT eindrucksvoll im Rahmen der Luftwaffenübung „Timber Express“ demonstrieren. Im Beisein hochrangiger Vertreter der Bundeswehr, des BAAINBw und anderer alliierter Streitkräfte verbanden sich Bundeswehr-Helikopter über das OPTARION-Missionsunterstützungssystem von HENSOLDT direkt mit dem taktischen Datensystem der NATO (Link 16). Das zusätzlich vorgestellte Upgrade für das Helikopter-Navigationssystem EuroNav 7 ermöglichte dabei den Austausch taktischer Informationen sowohl zwischen mehreren Helikoptern als auch mit Netzwerken der Marine sowie der Luftwaffe. Ein taktischer Vorteil, der schon bald zu den Selbstverständlichkeiten zählen soll.

Mit dem geplanten „Main Ground Combat System“ – kurz MGCS – soll bis 2035 ein neuer moderner Kampfpanzer mit zahlreichen Assistenzsystemen als intelligent vernetzte Zentrale des Bodenkampfes entstehen. Für das HENSOLDT-Produktportfolio ergeben sich dabei zahlreiche Anknüpfungspunkte.

Panzer, das waren einmal relativ träge und starre Fahrzeuge, vergleichbar mit der schweren Kavallerie. Nicht so der neue Kampfpanzer, den Deutschland in den kommenden Jahren gemeinsam mit Frankreich zu entwickeln plant. Als Nachfolger des deutschen Kampfpanzers Leopard 2 sowie seines französischen Pendants Leclerc soll er ab 2035 den Bodenkampf mit modernster Technik revolutionieren. Eine gemeinsame Absichtserklärung haben Deutschland und Frankreich bereits unterschrieben. Es wird erwartet, dass im Frühjahr 2020 der Rahmenvertrag abgeschlossen wird, bis 2025 erste Funktionsmuster erstellt und bis 2035 Prototypen entworfen werden, bevor dann die Umsetzung beginnt.

Hightech-Träger

Als etablierter Partner der deutschen wie französischen Streitkräfte kann HENSOLDT das Projekt in nahezu allen elektronischen, sensorischen und optronischen Bereichen mit aktuell bestehenden sowie derzeit in Entwicklung befindlichen Technologien unterstützen.

Tag- und Nachtsichtgeräte von HENSOLDT können in Kombination mit dem bewährten HENSOLDT-Radar die notwendigen Informationen für eine verlässliche Zielerfassung liefern. Gemeinsam mit den Daten von vernetzten, autonom operierenden Drohnen kann die Besatzung so ein umfassendes Bild ihres Umfelds erhalten. Insbesondere die von der HENSOLDT-Tochter EuroAvionics entwickelte VADR-Drohne kann hier einzeln wie im Schwarm mit HD-, Spezial-Kameras und Laser-Mapping ausgestattet nicht nur das komplette Einsatzgebiet erfassen. Ihre Jammer können zudem feindliche Drohnen stören. Alle verfügbaren Sensorinformationen können mittels Assistenzsystemen gefiltert und dem Nutzer wahlweise in einer virtuellen 360°-Umgebung bedienerfreundlich präsentiert werden. Gemeinsam mit im Fahrzeug installierten Mehrzweck-Jammern und Flugkörper-, Radar- sowie Laser-Warnern – alle aus dem HENSOLDT-Portfolio – kann so die Sicherheit der Besatzung erhöht werden.

Gleichzeitig können die Daten den Fahrer bei der Navigation unterstützen, die dank dem von HENSOLDT entwickelten SETAS auch ohne GPS möglich wird – bis hin zum autonomen Fahren.

Für den Austausch der Daten mit der Einsatzzentrale und weiteren Einheiten am Boden, zu Wasser, in der Luft und im All bietet die Laser-Kommunikation von HENSOLDT bereits heute eine sichere und bewährte Technologie; genauso wie für den Austausch zwischen einzelnen Fahrzeugen über eine autonome Relaisdrohne.

Gesichert durch den HENSOLDT-Cyber-Schutz für Hardware und Software kann so ein Gesamtsystem entstehen, das alle notwendigen Daten und Informationen übergreifend zusammenführt. So wird beispielsweise auch die indirekte Bekämpfung von Zielen möglich, bei der ein Panzer das Ziel erfasst, während er von einer anderen Position aus angegriffen wird. Dabei unterstützt die künstliche Intelligenz die Besatzung bei der Bewertung der aktuellen Situation und bietet strategische Vorschläge.

Mögliches Geschäftspotential

Die Möglichkeiten für HENSOLDT sind damit vielfältig. Denn der neue Kampfpanzer MGCS könnte schlussendlich nicht nur in Deutschland und Frankreich zum Einsatz kommen. Auch Polen und Skandinavien zeigen sich bereits interessiert. Und weitere Länder könnten folgen. Darum wird HENSOLDT seine Beteiligung an dem Projekt in den kommenden Jahren mit Nachdruck vorantreiben.

Der aktuelle Stand

Das deutsch-französische Rüstungsprojekt MGCS läuft seit 2012. Sein Ziel ist es, den ersten gemeinsamen Kampfpanzer als Ersatz für den Leopard 2 und den Leclerc zu entwickeln. Industrieseitig wird Deutschland die Führungsrolle übernehmen. Überwiegend beteiligt sind dabei die KMW+Nexter Defense Systems (KNDS) mit Sitz in Amsterdam (Niederlande) – entstanden aus den im Frühjahr 2015 fusionierten Rüstungskonzernen Krauss-Maffei Wegmann (KMW) aus Deutschland und der staatlichen Nexter Systems aus Frankreich – sowie der deutsche Rüstungskonzern Rheinmetall. Begleitet wird das Projekt zudem vom Deutsch-Französischen Forschungsinstitut Saint-Louis (ISL). Aktuell läuft die weitere Abstimmung.

Bei dem zukünftigen deutschfranzösischen Marineluftkampfsystem „Maritime Airborne Weapon System“-Projekt – kurz MAWS – sind erstmals Systemfähigkeiten wichtiger als Flugeigenschaften.

Die für die Jagd auf U-Boote konzipierte P-3C Orion der deutschen Marine absolvierte ihren Erstflug im Jahr 1959. Die bei der französischen Marine zur Seeaufklärung eingesetzte Breguet Atlantic 2 startete erstmals 1961. Beide werden spätestens 2035 das Ende ihrer Lebensdauer erreichen. Ihr Nachfolger soll ein neues, gemeinsames Maritime Airborne Weapon System werden. Als Novum in der Geschichte der militärischen Luftfahrt sollen dabei nicht die Flugzeughersteller Entwürfe für die neue Plattform entwickeln, sondern ein Konsortium aus militärischen Systemanbietern die übergeordneten Anforderungen an das Waffensystem definieren und daraus ableitend die Plattform entwickeln. HENSOLDT hat, als Teil des Konsortiums, einen Vorschlag für eine Machbarkeitsstudie eingereicht. Die Vertragsvergabe für diese Studie wird für die zweite Jahreshälfte 2020 erwartet.

Der maritime Alleskönner

2018 entschlossen sich das französische Beschaffungsamt DGA (Direction générale de l’armement) und das BMVg (Bundesministerium der Verteidigung) zur gemeinsamen Entwicklung eines neuen Flugzeugs für die luftgestützte Seeaufklärung. Von vornherein stand dabei fest, dass dieses neue MAWS zusätzlich auch über modernste Fähigkeiten im Über- und Unterwasserkampf verfügen und als Kommandoelement auf hoher See eingesetzt werden soll. Der Katalog der Anforderungen und die Vielzahl der geforderten Eigenschaften waren so umfassend, dass das MAWS schnell den Spitznamen „fliegende Fregatte“ erhielt.

Gleichzeitig erkannten die Auftraggeber die Bedeutung der Architektur des integrierten Kampfsystems. Daher wurde das oben genannte Konsortium darum gebeten, einen Vorschlag für die Durchführung einer Machbarkeitsstudie vorzulegen.

Das Große und Ganze

Falls der Auftrag für die Durchführung der Machbarkeitsstudie gewonnen werden kann, wird HENSOLDT gemeinsam mit seinen drei Konsortialpartnern ESG, Diehl Defence und Thales in den kommenden zwei Jahren mit einem Kernteam in Paris an den Anforderungen der Zukunft arbeiten. Neben der Architektur des Kampfsystems steht dabei auch die Auswahl dazu passender Flugzeug-Plattformen bzw. Hersteller im Mittelpunkt. Analog zum Future Combat Air System (siehe Kapitel HENSOLDT liefert Lösungen: FCAS – die Lufthoheit liegt in den Wolken) spielt dabei außerdem der geplante umfassende Austausch von Daten mit den anderen Teilstreitkräften eine entscheidende Rolle.

Mit „Wave 2“ beginnt die nächste Stufe des Transformationsprogramms „HENSOLDT GO!“. Im Mittelpunkt: das übergeordnete Ziel einer übergreifenden Optimierung aller Bereiche durch noch stärkere Zusammenarbeit.

Vom Geschäftsbereich eines Großkonzerns zum eigenständigen Unternehmen im internationalen Wettbewerb – ein Weg, den HENSOLDT innerhalb kürzester Zeit erfolgreich beschritten hat. Das Transformationsprogramm HENSOLDT GO! definierte dazu die Aktionsfelder und Ziele. Prozesse, Arbeitsabläufe und die gesamte Unternehmenskultur durchliefen einen tiefgreifenden Prozess des Wandels. Kernbereiche wie der Einkauf, die Produktion und die Entwicklung wurden optimiert, Abläufe neu definiert und die Effizienz nachhaltig gesteigert. Nicht nur Zahlen, sondern auch das inzwischen vorhandene unternehmerische Denken und Handeln der Mitarbeiter belegen den Erfolg.

Und der Wandel geht weiter. Mit „HENSOLDT GO! Wave 2“ soll nun die Dynamik der ersten Welle bei Wachstum, Innovation und Wettbewerbsfähigkeit aufrechterhalten werden.

Dynamisches Supply-Chain-Management

Innovations- und Produktlebenszyklen werden immer kürzer, und Unternehmen müssen sich ständig weiterentwickeln und verbessern, um langfristig bestehen zu können. HENSOLDT begegnet dieser Herausforderung mit einem Kulturwandel, der alle Abteilungen und Bereiche umfasst.

Mit der Einführung eines unternehmensweiten, funktionsübergreifenden Supply-Chain-Managements unter Einbindung von Lieferanten, internen Abläufen und Kundenanforderungen will HENSOLDT den Fluss von Informationen, Material und Geld optimieren. Das dynamische Zusammenwirken der verschiedenen Teile der Lieferkette, das mit der Verringerung der Fertigungstiefe und der zunehmenden Arbeitsteilung nötig wurde, macht dabei den Unterschied aus. Im Schwerpunkt werden das Sales- bzw. das Projektmanagement der Divisionen inklusive Customer Service und das Sourcing mit den aktuellen Produktionsplänen dynamisch gekoppelt, um Verschwendungen und Ineffizienzen weitestgehend zu vermeiden.

Was sich in Teilen der Industrie schon lange bewährt hat, wird nun bei HENSOLDT das Projektmanagement zahlreicher laufender Projekte wesentlich effizienter gestalten und nebenbei die Zusammenarbeit der verschiedenen Funktionen weiter forcieren.

Denn die Basis für die integrierte, digitale Implementierung des Supply-Chain-Managements bildet das gemeinsame Erarbeiten eines optimalen, schlanken Prozesses.

Ausbau von Kompetenz und Effizienz

Parallel werden Maßnahmen zur Förderung der Entwicklungs- und der Engineering-Excellence sowie zur Optimierung der Produktion und der Lagerreichweiten umgesetzt.

So ermöglicht beispielsweise die divisionsübergreifende Abstimmung in den Bereichen Forschung & Technologie (R&T) sowie Forschung & Entwicklung (R&D) die gemeinsame Entwicklung von Grundlagen zur Produktweiterentwicklung sowie den optimalen Einsatz der Ressourcen und die nötige Flexibilität.

Mit dem Ziel, das gesamte Unternehmen beweglicher, schneller und effizienter zu machen, wird eine Kultur der kontinuierlichen Verbesserung aufgebaut. Schluss mit dem Silo-Denken, hin zu einer ganzheitlichen Optimierung, lautet die Devise.

Wie ein Schweizer Uhrwerk

Dabei ist sich das Management durchaus bewusst, dass ein solcher Wandel nicht von heute auf morgen erfolgt. Vielmehr sind sowohl die Führungskräfte als auch jeder einzelne Mitarbeiter aufgefordert, diesen Wandel täglich neu zu leben. Veränderungen sollen nicht nur von oben nach unten angeordnet, sondern müssen genauso auch von unten nach oben in das Unternehmen getragen werden.

Die bereits angestoßenen Optimierungen der Organisation bilden dabei das Fundament einer dauerhaften internen Zusammenarbeit zwischen allen Bereichen. Damit alles reibungslos ineinander fasst, wie bei einem Schweizer Uhrwerk, und gemeinsam das Beste für HENSOLDT herausgeholt werden kann.

2 Segmente, 4 Divisionen, ein Ziel


Das Geschäft von HENSOLDT ist in zwei Segmente gegliedert: Sensoren und Optronik. Das Segment Sensoren beinhaltet drei Divisionen: Radar, IFF & COMMS, Spektrumdominanz & luftgestützte Lösungen und Kundendienst­leistungen. Das Segment Optronik deckt unsere Optronik-Division ab. Gemeinsam treiben beide Segmente das globale Wachstum voran und erzielen dabei jedes für sich beachtliche Erfolge.

Die Leiter unserer drei Produktdivisionen erläutern ihre Höhepunkte dieses Jahres und ihre Pläne für 2020.

Radar, IFF & COMMS

Erwin Paulus

„Missionskritische Premiumprodukte in den Bereichen Verteidigungs- und Sicherheitsradar, Luftverkehrsüberwachung einschließlich Freund-Feind-Erkennung (IFF) und Datenkommunikation für Luft-, See- und Landplattformen verschiedenster Hersteller weltweit zählen traditionell zum Kerngeschäft von HENSOLDT. Zusammengefasst sind diese Produkte in unserer Division Radar, IFF & COMMS. 2019 konnten wir unser Produktportfolio in dieser Division um einige interessante Neuerungen erweitern:

Neben den ersten Prototypen unseres TRML-4D – der Bodenvariante unseres ebenfalls neuen, digitalen 4D-Schiffsradars – haben wir unsere Radar-Produktfamilie SPEXER 2000 zur Grenz-, Infrastruktur-, Perimeter- und Küstenüberwachung um ein 3D-Modell erweitert. Wir haben den ersten Auftrag für unser luftgestütztes Mehrzweck-Überwachungsradar PrecISR erhalten und den ersten Prototyp für die Flugerprobung ausgeliefert. Und schließlich wurde das HENSOLDT-Identifikationssystem MSSR 2000 ID (Monopulse Secondary Surveillance Radar) als erstes Nicht-US-Produkt ohne Einschränkungen vom amerikanischen Verteidigungsministerium zertifiziert. Damit erfüllen wir alle Voraussetzungen zur Lieferung von IFF-Geräten für die bevorstehende Umstellung aller NATO-Identifikationssysteme auf den zukünftigen Mode-5-Standard.

Im Rahmen des jährlichen Kongresses der amerikanischen Zulassungsbehörde für IFF-Geräte konnte HENSOLDT auch den offiziellen Launch des nichtrotierenden IFF-Systems NESIS 4000 (Naval Electronically Steered IFF System) mit den internationalen Besuchern feiern. Im Jahr 2020 wird bereits ein erster Kunde aus Skandinavien NESIS 4000 erhalten.

Für 2020 planen wir, das erste Exemplar unseres Airport Surveillance Radar (ASR) am Frankfurter Flughafen zu installieren, die ersten TRML-4D-Bodenradare auszuliefern und voraussichtlich die ersten Aufträge für unser neues Passivradar zu erhalten. Außerdem steht mit der Auftragsvergabe für das neue Mehrzweckkampfschiff 180 (MKS 180) der Deutschen Marine die wichtige Entscheidung über die mit mehr als 5 Mrd. Euro größte Investition der deutschen Bundeswehr an. Ferner erwarten wir 2020 den Auftrag für das neue Eurofighter Common Radar System (E-CRS) Mk1, für das HENSOLDT erstmals in seiner Geschichte die Radarsystemverantwortung übernimmt.

2019 erzielte die Division einen Umsatz von 361,7 Mio. Euro. Mit unseren Top-Innovationen im Bereich des digitalen Radars sind wir auch für die Zukunft bestens aufgestellt.“

Spektrum­dominanz & luftgestützte Lösungen

Celia Pelaz

„Mit Überlegenheit nicht nur zu Lande, zu Wasser und in der Luft, sondern im gesamten elektromagnetischen Spektrum und Cyberspace ermöglichen wir es unseren Kunden, sowohl im Verteidigungsbereich als auch im Nicht-Verteidigungs-Umfeld Gefahren frühzeitig zu erkennen und sich davor zu schützen. Wir entwickeln spezielle Sensoren zur Erfassung von Daten, intelligente Software zur Verarbeitung und Tools zum Schutz, zur Behinderung oder zur Manipulation des Zugriffs auf diese Daten. Damit stellen wir die Informationsüberlegenheit für unsere (End-)Kunden sicher – und nicht zuletzt militärischen Erfolg.

Unser Portfolio an luftgestützten Lösungen bietet eine breite Palette an Avionik für bemannte und unbemannte Plattformen, Verteidigungs- und Nicht-Verteidigungsplattformen sowie Orientierungssysteme für schlechte Sichtbedingungen, die unser Sensorportfolio nutzen. Der Begriff ‚Luftgestützte Lösungen‘ spiegelt unsere Fähigkeit wider, integrierte luftgestützte Systeme zu liefern, die unser Avionik-Portfolio mit dem Rest unserer Palette an Sensoren kombinieren. Dieser Ansatz unterstreicht unseren Anspruch, unsere Marktposition als starker Missionssystempartner für große europäische Programme auszubauen.

Zu den Highlights des Jahres 2019 zählen folgende Themen:

Im Bereich Spektrumdominanz war die Markteinführung unserer neuen KALÆTRON-Produktfamilie ein großer Erfolg. Im Rahmen der Konferenz für elektronische Kampfführung (EW Europe) in Stockholm hat HENSOLDT im März den ‚KALÆTRON RWR‘ (RWR = Radar Warning Receiver) vorgestellt, der den Schutz von Starrflügler-Flugzeugen und Hubschraubern vor radargesteuerten Waffen revolutioniert. Auf der Pariser Luftfahrtschau in Le Bourget im Juni folgte dann die Vorstellung des Signalaufklärungssystems (SIGINT) ‚KALÆTRON Integral‘. Mit diesem lassen sich sowohl Kommunikations- als auch Radarsignale erkennen und umfassend auswerten.

Bei der International Fighter Conference in Berlin hat HENSOLDT im November gemeinsam mit Airbus erste Details des neuen Konzepts für die elektronische Kampfführung (Electronic Combat Role – ECR) beim Eurofighter präsentiert. Dazu haben wir ein hochmodernes, auf der KALÆTRON-Produktfamilie basierendes Escort-Jammer-Konzept entwickelt.

Auch im Nicht-Verteidigungs-Bereich sind wir ein wichtiger Partner für die Überlegenheit im elektromagnetischen Spektrum, zum Beispiel mit unseren Spectrum-Monitoring-Systemen, die Telekom-Regulierungsbehörden, dem Heimatschutz und maritimen Institutionen wertvolle Informationen darüber liefern, wie das Funkspektrum genutzt wird. 2019 konnten wir für diese bereits in vielen Ländern im Einsatz befindlichen Systeme einen großen internationalen Auftrag und zudem die Independent Communication Authority of South Africa (ICASA) als neuen Kunden gewinnen.

Im Bereich luftgestützte Lösungen haben wir 2019 nicht nur unser Avionik-Portfolio um einen neuen Flugschreiber für Leichtflugzeuge, kleine Hubschrauber und Drohnen ergänzt, sondern auch wichtige Verträge für die Weiterentwicklung unserer Produkte unterschrieben, unter anderem einen Vertrag mit Airbus Helicopters, um den Hubschrauber-Missionscomputer ETMC (EuroGrid Tactical Mission Computer) mit neuen Funktionalitäten auszustatten.

Auch im Bereich Urban Air Mobility engagieren wir uns im Rahmen einer europäischen Initiative, um den regulatorischen Rahmen für die zukünftigen VTOL (vertikale Start- und Landeflugzeuge) zu definieren, Flugrouten in den Städten und Regionen festzulegen sowie die technischen Lösungen, die für einen autonomen Flugbetrieb unabdingbar sind, bereitzustellen. Schon heute liefern wir beispielsweise erste Bodensysteme, die eine Überwachung und Steuerung von unbemannten Flugobjekten und die Kontrolle ihrer Routen erlauben (siehe Kapitel HENSOLDT Innovationen: Flugtaxis – autonom und sicher).

Zu den bedeutendsten Erfolgen dieses Jahres für die Zukunft von HENSOLDT im Bereich Airborne Solutions gehört unsere Beteiligung an einer Konzeptstudie der deutschfranzösischspanischen Initiative zur Entwicklung eines zukünftigen Luftkampfsystems – des ‚Future Combat Air System‘ (FCAS). Mit einem erwarteten Einsatzzeitraum von mindestens mehreren Jahrzehnten gilt FCAS als eines der größten und umfassendsten europäischen Zukunftsprojekte der Verteidigungswelt. HENSOLDT hat mit anderen deutschen Industriepartnern das deutsche FCMS-Konsortium gegründet, mit dem Ziel, gemeinsam die Verantwortung für das komplexe Thema des vernetzten Einsatzes von Sensoren und Effektoren im FCAS-Netzwerk zu übernehmen (siehe Kapitel HENSOLDT liefert Lösungen: FCAS – die Lufthoheit liegt in den Wolken).

Und das sind nur einige der zahlreichen Highlights unserer Division im Geschäftsjahr 2019, in dem wir 276,7 Mio. Euro Umsatz erzielt haben.“

Optronik

Andreas Hülle

„Die Herstellung von optronischen und optischen Produkten für verteidigungs- und sicherheitsrelevante Anwendungen liegen in der vielzitierten DNA von HENSOLDT. Heute werden unsere Lösungen in den Bereichen Tagsicht, Wärmebildtechnik, Restlichtverstärkung, Laser-Entfernungsmessung und -Stabilisierung auf verschiedenen Plattformen eingesetzt – darunter U-Boote, gepanzerte Fahrzeuge, Flugzeuge, unbemannte Luftfahrzeuge und Satelliten. Mit der Robustheit und Modularität unserer kundenspezifischen Produkte haben wir uns weltweit einen Namen gemacht.

So war 2019 auch von einer Vielzahl neuer Aufträge geprägt. Hier ein kleiner Auszug:

Unsere umsatzstärksten Anwendungen in den Bereichen ‚Land und Sicherheit‘ konnten in Algerien einen Großauftrag zur Grenzsicherung gewinnen. Voraussichtlich 2020 wird die Sicherung weiterer Grenzabschnitte hinzukommen, und der Auftrag könnte beispielsweise auf den Schutz von Ölfeldern ausgeweitet werden. Zusätzlich haben wir das 350. Optronik-Technologiesystem für Puma-Panzer geliefert und einen großen Auftrag für Leopard-Modernisierungen erhalten.

Mit unseren ‚Marine‘-Anwendungen sind wir außerhalb der USA Weltmarktführer bei Periskopen für U-Boote und optronische Mastsysteme (Laserent-fernungsmesser, Tag-/Nachtsichtkameras). 2019 konnten wir hier einen Auftragseingang in einer bisher noch nie dagewesenen Höhe verzeichnen, unter anderem von der türkischen, pakistanischen und indischen Marine. Außerdem werden wir in Zukunft auch die U-Boote der thailändischen Marine ausstatten.

Auch unsere Anwendungen in den Bereichen ‚Luft- und Raumfahrt‘ waren 2019 von zahlreichen Erfolgen geprägt. Neben Satelliten-Kommunikationssystemen hat uns das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) mit der Lieferung von Komponenten für die so genannte JUICE-Mission (Jupiter Icy Moons Explorer) beauftragt, die 2022 starten soll.

Und schließlich haben wir erfolgreich Flugversuche zum Testen unserer Wide-Area-Motion-Imagery-Technologie (WAMI) abgeschlossen. Bei der so genannten weiträumigen persistenten Überwachung ist das Ziel, ein umfassendes Lagebild zu erstellen. Mit den Flugversuchen konnte entsprechendes Bildmaterial aufgenommen werden. Als verteidigungsrelevante Anwendung kommen zukünftig beispielsweise der Feldlagerschutz aber auch die Großprojekte FCAS oder MAWS zur Seeaufklärung in Frage. Im Nicht-Verteidigungsbereich wird insbesondere die Nutzung zum so genannten Crowd Monitoring, beispielsweise die Überwachung von Massenveranstaltungen, anvisiert.

Darüber hinaus liefert unser auf Fernrohre spezialisierter Standort in Wetzlar unter anderem mit der kompletten Zieloptik und einem Nachtsichtvorsatz einen wichtigen Beitrag für den ‚Infanteristen der Zukunft‘ der deutschen Bundeswehr. Zudem haben wir unseren Standort in Südafrika erfolgreich zum Engineering Hub ausgebaut. Insgesamt haben wir 2019 einen Umsatz von 277,4 Mio. Euro erzielt, und auch für 2020 stehen alle Zeichen bei uns auf ‚Go‘.“

Über einige der wichtigsten, genannten Produktinnovationen berichtet dieser Geschäftsbericht auf den nachfolgenden Seiten detailliert.

Service anders gedacht


Muss der Dienst am Kunden ein Nebengeschäft sein? Nein! Bei HENSOLDT ist er sogar elementarer Bestandteil des Kerngeschäfts und trägt stark zum Wachstum bei.

Produkte von HENSOLDT müssen nicht selten mehrere Jahrzehnte lang halten, sie müssen sich in dieser Zeit an neue Herausforderungen anpassen lassen, und ihre Benutzer müssen fortlaufend und immer wieder neu im Umgang mit ihnen trainiert werden. Darum hat HENSOLDT seinen Kundendienst von Beginn an anders gedacht und ihn in drei strategische Bereiche unterteilt.

Drei Bereiche – ein Ziel

Im Zentrum steht der „Aftermarket Product and System Support“. Mit unterschiedlichen Serviceverträgen bis hin zum „Full Service“ wie beim Eurofighter sichert er ein Produktleben lang die Funktionalität, von der nicht selten Menschenleben abhängen. Als neuer Wachstumsmarkt sind in den vergangenen Jahren die „Simulation Solutions“ hinzugekommen, in denen der Umgang mit den immer komplexer werdenden Lösungen erlernt werden kann. Und die „Special Services“ bieten maßgeschneiderte Lösungen für das HENSOLDT-Produktportfolio aber auch darüber hinaus für Drittanbieter an. Die komplementären Trainingskurse bilden mit ihrem modularen Konzept eine Art Schnittstelle zwischen HENSOLDT-Geräten und den Personen, die sie bedienen und warten.

Basierend auf jahrzehntelanger Erfahrung liefern alle drei Bereiche – mit ihren hochqualifizierten Mitarbeitern jeder für sich erfolgreich – einen wesentlichen Geschäftsbeitrag.

Von der Entwicklung bis zur Ausmusterung

Dem umfassenden Kundendienst liegt bei HENSOLDT die Philosophie zugrunde, dass die Systeme des Hauses nicht wie Konsumgüter nach oft kurzer Zeit ersetzt werden, sondern vielmehr dank offenem Design immer wieder überarbeitet und aktualisiert werden können. Nicht nur die Hardware, auch die Software muss sich oftmals über Jahrzehnte bewähren und aktualisieren lassen – selbst wenn beispielsweise der ursprüngliche Software-Anbieter sein System nicht mehr pflegt.

Um dies gewährleisten zu können, unterstützt der Kundendienst bei HENSOLDT bereits die Entwicklung neuer Produkte aus der Sicht der späteren Käufer. Schon in dieser Frühphase wird auch gemeinsam mit Kunden das Servicekonzept entwickelt, das spätere Wartungsintervalle und Schulungen bis hin zur Ersatzteillagerung definiert.

Routiniert und professionalisiert wird so der Einsatz der immer komplexer werdenden technischen Lösungen des Hauses zu für die Kunden kalkulierbaren Kosten sichergestellt. Die sprichwörtlichen „Alarmglocken“ schrillen jedoch immer dann, wenn mal etwas nicht so funktioniert, wie es sollte. Dann ist der „Global Field Service“ von HENSOLDT gefragt, der die Kunden weltweit im wahrsten Sinne des Wortes mit Rat und Tat unterstützt. Kurzfristig treten Servicemitarbeiter Reisen bis zu den entlegensten Orten der Erde an. Immer das notwendige Material im Gepäck, sofern die Export- und Zollbestimmungen dies kurzfristig zulassen.

Wenn Theorie zur Praxis wird

Dass es für den Kundendienst dabei schon fast zur Normalität gehört, neue Wege einzuschlagen, belegen die „Simulation Solutions“. Aus dem Kundenservice für Simulatoren des ehemaligen EADS-Geschäftsbereichs hat sich inzwischen ein eigenständiges Geschäftsmodell mit erheblichem Wachstumspotential entwickelt. Schon heute ist HENSOLDT beispielsweise Anbieter von Eisenbahnsimulationen für Lokomotivführer in Deutschland, Italien und Indien. Und auch im Verteidigungs-Bereich steigt aufgrund der wachsenden Anforderungen an die Bedienung der immer komplexer werdenden Technik der Bedarf an Simulatoren. So entwickelt HENSOLDT derzeit Ausbildungs-Simulatoren für die Radare des Hauses – natürlich unter Federführung des Kundendienstes.

Langfristig erfolgreich

Kunden schätzen nicht nur unseren Kundendienst, er bindet sie auch stärker ans Unternehmen. Der häufig langfristige Charakter unserer Verträge sorgt zudem für planbare Umsätze mit hohem Ergebnisanteil.

Mit weltweiten Service-Stationen betreut der Kundendienst von HENSOLDT hunderte Kunden. 2019 durch die Akquise eines australischen Dienstleisters, der in der APAC-Region aktiv ist und nun als HENSOLDT Australien firmiert, ergänzt, weist die globale Service-Landkarte von HENSOLDT heute damit so gut wie keine weißen Flecken mehr auf.

Temur Karbassioun (Head of Customer Services) und Peter Schlote (Chief Operating Officer)

Das Global-Service-Team im Einsatz

Bei einem Einsatz in Chile konnte der Global Field Service von HENSOLDT eindrucksvoll seine Schlagkraft unter Beweis stellen. Dort stieß der Kunde, ein in den Bereichen Luft- und Raumfahrt sowie Verteidigung tätiges Unternehmen, bei der Ausrüstung eines Schiffes für die chilenische Marine plötzlich auf ein Problem und meldete sich umgehend. Für das HENSOLDT-Team der Beginn einer ereignisreichen Woche.

Nach ersten Ferndiagnosen stellte das Team die eventuell benötigten Teile zusammen und forderte die notwendigen Dokumente für die Zoll- und Exportkontrolle an. Ein aufwändiger bürokratischer Prozess begann, der jedoch bereits nach drei Tagen erfolgreich abgeschlossen werden konnte. Mit den Teilen machte sich das Team auf den Weg und erreichte nach 30-stündiger Anreise – insgesamt nur vier Tage nach dem Erstkontakt – den Einsatzort in Chile.

Die speziell für das Produkt – in diesem Fall ein TRS-4D-ROT-Radar – ausgebildeten Techniker begannen mit ihrer Arbeit. Die Vor-Ort-Analyse belegte: Die Kühlung funktionierte nicht richtig. Vor Ort zerlegt, repariert und wieder montiert zeigte die abschließende Prüfung: Das Radar funktioniert wieder einwandfrei. Weniger als eine Woche nach dem ersten Anruf erreichten die Mitarbeiter wieder ihren Heimatstandort in Kiel und konnten vermelden: Problem gelöst.

Vertrieb - vom Produkt- zum Lösungsanbieter


Mit seinem Produkt- und Regionalvertrieb zeigte sich HENSOLDT bislang sehr gut aufgestellt. Weil jedoch immer mehr Kunden nach umfassenden Angeboten verlangen, sucht und bietet der zusätzliche neue Domain-Vertrieb nun gezielt auch Lösungen über die Geschäftsbereiche hinweg.

Dieser Ansatz basiert auf dem wachsenden Bedürfnis unserer Kunden nach umfassenden Lösungen für Kapazitätslücken. Zu diesem Zweck müssen verschiedene Plattformen und Einsatzanforderungen unabhängig von den zur Verfügung stehenden Produkten analysiert und angemessene Lösungskonzepte entwickelt werden. Erst dann wählt HENSOLDT die verschiedenen Produkte für das Angebot aus. Dies erlaubt es HENSOLDT, neue Verkaufsgelegenheiten zu erschließen und beispielsweise zusätzliche Sensoren, Datenverknüpfungen oder umfassende Lösungen in Kombination mit individuellen Radaren oder Kameras anzubieten.

Ein Team – eine Mission – ein Ziel

In Zeiten der Globalisierung und immer komplexer werdender Produkte und Lösungen braucht ein guter Vertrieb eine 360-Grad-Sicht auf seine Kunden. Wenn beispielsweise der Hersteller eines Schiffes für die Marine ein Radargerät für seine neue Fregatte bestellt, können andere Produkte ebenfalls durchaus interessant für ihn sein – von verschiedensten Sensoren zur Umfeld-Überwachung über Warnsysteme zur Laser- oder Radarerfassung bis hin zu modernster Navigations-Technologie. Zunehmend fokussieren sich Kunden auf Lösungen, die zur Schließung von Fähigkeitslücken beitragen. So umfasst beispielsweise eine Selbstschutzfähigkeit nicht nur den Sensor zur Detektion von Bedrohungen, sondern ebenso weitere Komponenten zur Einleitung und Führung von Gegenmaßnahmen, welche zum Teil ebenfalls von HENSOLDT angeboten werden können. Ein Beispiel ist die Detektion eines Zieles durch das Radar, welches optisch über eine Kamera als Bedrohung identifiziert und mithilfe eines Datenlinks durch eine Gegenmaßnahme neutralisiert wird. Insbesondere in solchen Szenarien bieten dann Einzel-Produkte im Rahmen einer integrierten Gesamtlösung echten Mehrwert. Gleiches gilt für Projekte wie das Future Combat Air System, dessen Besonderheit von vornherein in dem strategischen Zusammenspiel unterschiedlichster Systeme liegt.

Diesen lösungsorientierten Ansatz verfolgen nun im HENSOLDT-Vertrieb die Domains „Luft“, „Land“, „See“, „Sicherheit“ und „Sonstige“ (einschließlich „Weltraum“, „Cyberspace“ und „Services“). Mit einem kleinen, kompetenten Team, das je nach Anfrage temporär um Spezialisten beispielsweise aus dem Produktvertrieb aber auch der Entwicklung erweitert werden kann, können sie individuell auf die unterschiedlichsten Kundenwünsche eingehen. Der Blick auf das gesamte HENSOLDT-Portfolio mit allen vier Divisionen zeigt neue Chancen und das Potenzial für neue Marktsegmente auf. Gleichzeitig ermöglicht die neue Struktur auch intern eine marktgerechte Strategie- und Portfolio-Ausrichtung über die Geschäftsbereiche hinweg – zusätzlich unterstützt durch die inzwischen ebenfalls erfolgte Umorganisation der Kommunikation nach den Domains.

Immer den Kunden im Blick

Den ersten öffentlichen Auftritt hatte die neue Domain-Struktur im September 2019 auf der internationalen Rüstungsmesse DSEI in London. Erstmals präsentierte sich HENSOLDT dort mit einem Stand, auf dem nicht länger einzelne Produkte, sondern die übergreifende Domain-Kompetenz zu Land, zur See, in der Luft, im Weltraum sowie in den Bereichen Cyberspace, Services und Sicherheit im Vordergrund stand.

Das entspricht im Übrigen auch zunehmend dem Wunsch von Partnern und Kunden. Über seine Kompetenz als Produktlieferant hinaus kann sich HENSOLDT so als Lösungsanbieter für Verteidigung und Sicherheit positionieren, der alle Aspekte eines Projekts berücksichtigt.

Stefan Jock (Head of Domain Accounts & Sales) und Sabine Hipp (Head of Sales & Marketing)

Eurofighter - eine Jahrhundert-Chance


Mit der Übernahme der Verantwortung für das neue Radarsystem des Eurofighters beginnt für HENSOLDT eine neue Zeitrechnung. Als Systemanbieter eröffnet sich ein riesiges Geschäftspotential – auch für zukünftige Aufträge.

Schon bisher baut das in verschiedenen Versionen im Eurofighter verwendete CAPTOR-M-Radar mit mechanisch bewegter Antenne auf Technologie von HENSOLDT und wird von den Piloten als besonders leistungsfähig gelobt. Am Ende seines Entwicklungspotentials angekommen wird es jetzt durch ein Radar mit elektronischer Schwenkung ersetzt: das CAPTOR-E. Mit seinen über 1.400 direkt in die Antenne integrierten Sende- und Empfangsmodulen kann es mehrere Aufgaben, wie z.B. Bodenüberwachung, Zielverfolgung und Flugkörperlenkung, gleichzeitig erfüllen und steigert so die Leistungsfähigkeit des Eurofighters erheblich.

Für CAPTOR-E produziert HENSOLDT die Antenne mit Sende- und Empfangsmodulen sowie Teile des Prozessors, des Receivers und der Software. Parallel dazu erwartet HENSOLDT den Beginn der Entwicklung des zukünftigen „Eurofighter Common Radar System“ (ECRS) Mk1, welches noch mehr auf der mehrkanaligen Empfangsfähigkeit basierende Fähigkeiten aufweist. Falls das Projekt, welches derzeit von den beteiligten Staaten Deutschland und Spanien geprüft wird, weiterverfolgt wird, ermöglicht dies auch neue operative Rollen des ganzen Luftfahrzeugs, insbesondere in der Luft-Boden-Aufklärung. Beim ECRS Mk1 würde HENSOLDT erstmals nicht nur als Sub-System-Zulieferer innerhalb des Euroradar-Konsortiums auftreten, sondern das gesamte System-Design verantworten.

60 Jahre Fighter-Radare von HENSOLDT

Hohe Anforderungen

Kampfflugzeug-Radare zählen seit den 1960er Jahren neben Boden- und Schiffssystemen zu den Spezialitäten von HENSOLDT. Piloten im Starfighter, Tornado, der Phantom und im Eurofighter konnten sich auf sie verlassen. Insofern ist die Übernahme der gesamten System-Design-Verantwortung für das neue Eurofighter-Radar die logische Konsequenz aus der gesammelten Radar-Expertise von HENSOLDT.

Neben der Entwicklung und Zulieferung für das CAPTOR-E-Radar erwartet HENSOLDT, zukünftig auch mit der Definition, Koordination und Verifikation von Schnittstellen zum neuen Gesamtsystem des Kampfflugzeugs in Verbindung mit dem ECRS-Mk1-Radar beauftragt zu werden. Hinzu kommen die Integration, die Entwicklung von software-basierten Erweiterungen der Radar-Funktionalität sowie Zulassungsfragen.

So würde, im Falle einer Genehmigung, das nächste Eurofighter-Radar ECRS Mk1 zu einem HENSOLDT-Komplettsystem werden.

Gelebter Wandel

Mit der enormen Verantwortung geht dabei auch ein grundlegender Wandel einher, der sich durch viele Bereiche des Unternehmens zieht. Schon in der Angebotsphase arbeiteten Teams aus verschiedensten Bereichen mit teilweise neu eingeführten, agilen Methoden übergreifend zusammen. Zukünftig – soweit möglich – auch auf die Hardware-Entwicklung ausgedehnt, soll so ein harmonischer Dreiklang aus Produkt-Management, System-Architektur und agilen Softwareentwicklungsteams entstehen.

Gleichzeitig würden das CAPTOR-E und das Mk1-Projekt auch am Standort Ulm für zahlreiche Veränderungen sorgen, da sie über 5.000 qm Nutzfläche benötigen würden, von der weit mehr als die Hälfte als Sperrzone ausgewiesen werden müsste. Auch die Anzahl der derzeit rund 165 Mitarbeiter für dieses Projekt würde sich in den kommenden Jahren nahezu verdoppeln.

Neue Geschäftsmöglichkeiten

Doch die Investition in die Zukunft lohnt sich, aufgrund der Sicherung äußerst wertvoller Entwicklungs- und Produktionsaufträge des CAPTOR-E.

Und das ist erst der Anfang. Mit der System-Design-Verantwortung für das ECRS Mk1 würde HENSOLDT die Chance bekommen, sich mittelfristig zum Systemanbieter für Fighter-Radare zu entwickeln. Möglicherweise nicht nur für den Eurofighter, sondern auch für künftige fliegende Plattformen.

Dr. Thomas Buro (Head of Eurofighter Radar)

FCAS - die Lufthoheit liegt in den Wolken


Das derzeit in Definition befindliche „Future Combat Air System“ – kurz FCAS – wird ab 2040 die Luftkampffähigkeit Europas auf eine neue Ebene bringen. HENSOLDT plant, bei diesem gigantischen Zukunftsprojekt seine Visionen als Entwickler neuer Produkte und Fähigkeiten einzubringen.

Deutschland, Frankreich und Spanien sind sich bereits einig: Europa soll ein Kampfflugzeug der sechsten Generation, den sogenannten Next Generation Fighter (NGF), bekommen. Der NGF soll, wie auch die bestehenden Waffensysteme Eurofighter und Rafale, über eine „Combat Cloud“ mit anderen Einheiten in der Luft und am Boden vernetzt zusammenwirken können. Und das ist erst der Anfang: Denn in der Cloud sollen auch die Daten von Sensoren und Effektoren, von bemannten und unbemannten Flugzeugen zu einem gemeinsamen „System of Systems“ zusammenfließen. Mit einem Einsatzzeitraum von mehreren Jahrzehnten gilt FCAS als eines der größten und umfassendsten Zukunftsprojekte der Verteidigungswelt in Europa.

Über den Tellerrand

Daten, ihre Übertragung und Nutzung sowie die daraus resultierende Informationsüberlegenheit sind ein Kernelement des ganzen Portfolios von HENSOLDT. Dieser Entwicklung trägt das Unternehmen mit seiner neu gegründeten Dimension „Domain“ Rechnung. In ihr werden produkt- und divisionsübergreifend Lösungen der Zukunft entwickelt – für die Anwendungsgebiete „Luft“, „Land“, „See“, „Sicherheit“ und „Sonstige“ (einschließlich „Weltraum“, „Cyberspace“ und „Services“). Denn der Wert von Daten endet nicht bei ihrer Nutzung für einzelne Waffensysteme oder Produkte.

Das passt perfekt zu FCAS, denn auch hier werden und müssen alle Systeme zusammenarbeiten. Nicht nur „in der Luft“, sondern auch in dem ebenfalls in Entwicklung befindlichen „Maritime Airborne Warfare System“ (MAWS) (siehe Kapitel HENSOLDT liefert Lösungen: MAWS – wenn Fregatten fliegen lernen) und dem geplanten „Main Ground Combat System“ (MGCS) (siehe Kapitel HENSOLDT liefert Lösungen: Gepanzerte Intelligenz).

Um die übergreifende Architektur dieses Missions- und Führungssystems mit zu entwickeln, bündelt unter anderem HENSOLDT die deutschen Interessen gemeinsam mit den Unternehmen ESG, Diehl Defence und Rohde & Schwarz in dem FCMS-Konsortium. Denn in Zukunft werden sich nicht die Systeme den Produkten oder Plattformen anpassen müssen, sondern vielmehr umgekehrt; im Fall von FCAS beispielsweise die Kampfflugzeuge, Kampfhubschrauber und Drohnen dem übergreifenden Future Combat Mission System.

Übergreifende Potentiale

Insgesamt wird FCAS im gesamten Einsatzzeitraum ein geschätztes Investitionsvolumen von ungefähr 300 Mrd. Euro aufweisen. Neben der Systemarchitektur schafft dabei der NGF als geplanter Nachfolger für Eurofighter und Rafale zusätzliche Geschäftschancen für die Radar-, EloKa- und Avionik-Bereiche von HENSOLDT. Und auch die Drohnen von morgen werden Radar, Optronik und Avionik benötigen.

Aktuell läuft die Erstellung einer Konzeptstudie für die künftige Einsatzstruktur und die Ausrüstungsanforderungen, an der HENSOLDT als nationales Sensorhaus und eine von sieben deutschen „Lead Industries“ mitwirkt. Ab 2021 sollen zudem erste Demonstratoren für Kampfflugzeug, Drohne, Sensorik und die Combat Cloud entwickelt werden, die in einem ebenfalls neuen Simulationslabor getestet werden können. Mit dabei: HENSOLDT.

Bereit für morgen

Welche Möglichkeiten in der Verbindung von Daten unterschiedlicher Systeme liegen, konnte HENSOLDT eindrucksvoll im Rahmen der Luftwaffenübung „Timber Express“ demonstrieren. Im Beisein hochrangiger Vertreter der Bundeswehr, des BAAINBw und anderer alliierter Streitkräfte verbanden sich Bundeswehr-Helikopter über das OPTARION-Missionsunterstützungssystem von HENSOLDT direkt mit dem taktischen Datensystem der NATO (Link 16). Das zusätzlich vorgestellte Upgrade für das Helikopter-Navigationssystem EuroNav 7 ermöglichte dabei den Austausch taktischer Informationen sowohl zwischen mehreren Helikoptern als auch mit Netzwerken der Marine sowie der Luftwaffe. Ein taktischer Vorteil, der schon bald zu den Selbstverständlichkeiten zählen soll.

MGCS - Gepanzerte Intelligenz


Mit dem geplanten „Main Ground Combat System“ – kurz MGCS – soll bis 2035 ein neuer moderner Kampfpanzer mit zahlreichen Assistenzsystemen als intelligent vernetzte Zentrale des Bodenkampfes entstehen. Für das HENSOLDT-Produktportfolio ergeben sich dabei zahlreiche Anknüpfungspunkte.

Panzer, das waren einmal relativ träge und starre Fahrzeuge, vergleichbar mit der schweren Kavallerie. Nicht so der neue Kampfpanzer, den Deutschland in den kommenden Jahren gemeinsam mit Frankreich zu entwickeln plant. Als Nachfolger des deutschen Kampfpanzers Leopard 2 sowie seines französischen Pendants Leclerc soll er ab 2035 den Bodenkampf mit modernster Technik revolutionieren. Eine gemeinsame Absichtserklärung haben Deutschland und Frankreich bereits unterschrieben. Es wird erwartet, dass im Frühjahr 2020 der Rahmenvertrag abgeschlossen wird, bis 2025 erste Funktionsmuster erstellt und bis 2035 Prototypen entworfen werden, bevor dann die Umsetzung beginnt.

Hightech-Träger

Als etablierter Partner der deutschen wie französischen Streitkräfte kann HENSOLDT das Projekt in nahezu allen elektronischen, sensorischen und optronischen Bereichen mit aktuell bestehenden sowie derzeit in Entwicklung befindlichen Technologien unterstützen.

Tag- und Nachtsichtgeräte von HENSOLDT können in Kombination mit dem bewährten HENSOLDT-Radar die notwendigen Informationen für eine verlässliche Zielerfassung liefern. Gemeinsam mit den Daten von vernetzten, autonom operierenden Drohnen kann die Besatzung so ein umfassendes Bild ihres Umfelds erhalten. Insbesondere die von der HENSOLDT-Tochter EuroAvionics entwickelte VADR-Drohne kann hier einzeln wie im Schwarm mit HD-, Spezial-Kameras und Laser-Mapping ausgestattet nicht nur das komplette Einsatzgebiet erfassen. Ihre Jammer können zudem feindliche Drohnen stören. Alle verfügbaren Sensorinformationen können mittels Assistenzsystemen gefiltert und dem Nutzer wahlweise in einer virtuellen 360°-Umgebung bedienerfreundlich präsentiert werden. Gemeinsam mit im Fahrzeug installierten Mehrzweck-Jammern und Flugkörper-, Radar- sowie Laser-Warnern – alle aus dem HENSOLDT-Portfolio – kann so die Sicherheit der Besatzung erhöht werden.

Gleichzeitig können die Daten den Fahrer bei der Navigation unterstützen, die dank dem von HENSOLDT entwickelten SETAS auch ohne GPS möglich wird – bis hin zum autonomen Fahren.

Für den Austausch der Daten mit der Einsatzzentrale und weiteren Einheiten am Boden, zu Wasser, in der Luft und im All bietet die Laser-Kommunikation von HENSOLDT bereits heute eine sichere und bewährte Technologie; genauso wie für den Austausch zwischen einzelnen Fahrzeugen über eine autonome Relaisdrohne.

Gesichert durch den HENSOLDT-Cyber-Schutz für Hardware und Software kann so ein Gesamtsystem entstehen, das alle notwendigen Daten und Informationen übergreifend zusammenführt. So wird beispielsweise auch die indirekte Bekämpfung von Zielen möglich, bei der ein Panzer das Ziel erfasst, während er von einer anderen Position aus angegriffen wird. Dabei unterstützt die künstliche Intelligenz die Besatzung bei der Bewertung der aktuellen Situation und bietet strategische Vorschläge.

Mögliches Geschäftspotential

Die Möglichkeiten für HENSOLDT sind damit vielfältig. Denn der neue Kampfpanzer MGCS könnte schlussendlich nicht nur in Deutschland und Frankreich zum Einsatz kommen. Auch Polen und Skandinavien zeigen sich bereits interessiert. Und weitere Länder könnten folgen. Darum wird HENSOLDT seine Beteiligung an dem Projekt in den kommenden Jahren mit Nachdruck vorantreiben.

Der aktuelle Stand

Das deutsch-französische Rüstungsprojekt MGCS läuft seit 2012. Sein Ziel ist es, den ersten gemeinsamen Kampfpanzer als Ersatz für den Leopard 2 und den Leclerc zu entwickeln. Industrieseitig wird Deutschland die Führungsrolle übernehmen. Überwiegend beteiligt sind dabei die KMW+Nexter Defense Systems (KNDS) mit Sitz in Amsterdam (Niederlande) – entstanden aus den im Frühjahr 2015 fusionierten Rüstungskonzernen Krauss-Maffei Wegmann (KMW) aus Deutschland und der staatlichen Nexter Systems aus Frankreich – sowie der deutsche Rüstungskonzern Rheinmetall. Begleitet wird das Projekt zudem vom Deutsch-Französischen Forschungsinstitut Saint-Louis (ISL). Aktuell läuft die weitere Abstimmung.

MAWS - wenn Fregatten fliegen lernen


Bei dem zukünftigen deutschfranzö­sischen Marineluftkampfsys­tem „Maritime Airborne Weapon System“-Projekt – kurz MAWS – sind erstmals Systemfähigkeiten wichtiger als Flugeigenschaften.

Die für die Jagd auf U-Boote konzipierte P-3C Orion der deutschen Marine absolvierte ihren Erstflug im Jahr 1959. Die bei der französischen Marine zur Seeaufklärung eingesetzte Breguet Atlantic 2 startete erstmals 1961. Beide werden spätestens 2035 das Ende ihrer Lebensdauer erreichen. Ihr Nachfolger soll ein neues, gemeinsames Maritime Airborne Weapon System werden. Als Novum in der Geschichte der militärischen Luftfahrt sollen Airborne Weapon System werden. Als Novum in der Geschichte der militärischen Luftfahrt sollen dabei nicht die Flugzeughersteller Entwürfe für die neue Plattform entwickeln, sondern ein Konsortium aus militärischen Systemanbietern die übergeordneten Anforderungen an das Waffensystem definieren und daraus ableitend die Plattform entwickeln. HENSOLDT hat, als Teil des Konsortiums, einen Vorschlag für eine Machbarkeitsstudie eingereicht. Die Vertragsvergabe für diese Studie wird für die zweite Jahreshälfte 2020 erwartet.

Der maritime Alleskönner

2018 entschlossen sich das französische Beschaffungsamt DGA (Direction générale de l’armement) und das BMVg (Bundesministerium der Verteidigung) zur gemeinsamen Entwicklung eines neuen Flugzeugs für die luftgestützte Seeaufklärung. Von vornherein stand dabei fest, dass dieses neue MAWS zusätzlich auch über modernste Fähigkeiten im Über- und Unterwasserkampf verfügen und als Kommandoelement auf hoher See eingesetzt werden soll. Der Katalog der Anforderungen und die Vielzahl der geforderten Eigenschaften waren so umfassend, dass das MAWS schnell den Spitznamen „fliegende Fregatte“ erhielt.

Gleichzeitig erkannten die Auftraggeber die Bedeutung der Architektur des integrierten Kampfsystems. Daher wurde das oben genannte Konsortium darum gebeten, einen Vorschlag für die Durchführung einer Machbarkeitsstudie vorzulegen.

Das Große und Ganze

Falls der Auftrag für die Durchführung der Machbarkeitsstudie gewonnen werden kann, wird HENSOLDT gemeinsam mit seinen drei Konsortialpartnern ESG, Diehl Defence und Thales in den kommenden zwei Jahren mit einem Kernteam in Paris an den Anforderungen der Zukunft arbeiten. Neben der Architektur des Kampfsystems steht dabei auch die Auswahl dazu passender Flugzeug-Plattformen bzw. Hersteller im Mittelpunkt. Analog zum Future Combat Air System (siehe Kapitel HENSOLDT liefert Lösungen: FCAS – die Lufthoheit liegt in den Wolken) spielt dabei außerdem der geplante umfassende Austausch von Daten mit den anderen Teilstreitkräften eine entscheidende Rolle.

Go, HENSOLDT GO!


Mit „Wave 2“ beginnt die nächste Stufe des Transformationspro­gramms „HENSOLDT GO!“. Im Mittelpunkt: das übergeordnete Ziel einer übergreifenden Optimierung aller Bereiche durch noch stärkere Zusammenarbeit.

Alexander Dahm (Head of HENSOLDT Go! & Transformation)

Vom Geschäftsbereich eines Großkonzerns zum eigenständigen Unternehmen im internationalen Wettbewerb – ein Weg, den HENSOLDT innerhalb kürzester Zeit erfolgreich beschritten hat. Das Transformationsprogramm HENSOLDT GO! definierte dazu die Aktionsfelder und Ziele. Prozesse, Arbeitsabläufe und die gesamte Unternehmenskultur durchliefen einen tiefgreifenden Prozess des Wandels. Kernbereiche wie der Einkauf, die Produktion und die Entwicklung wurden optimiert, Abläufe neu definiert und die Effizienz nachhaltig gesteigert. Nicht nur Zahlen, sondern auch das inzwischen vorhandene unternehmerische Denken und Handeln der Mitarbeiter belegen den Erfolg.

Und der Wandel geht weiter. Mit „HENSOLDT GO! Wave 2“ soll nun die Dynamik der ersten Welle bei Wachstum, Innovation und Wettbewerbsfähigkeit aufrechterhalten werden.

Dynamisches Supply-Chain-Management

Innovations- und Produktlebenszyklen werden immer kürzer, und Unternehmen müssen sich ständig weiterentwickeln und verbessern, um langfristig bestehen zu können. HENSOLDT begegnet dieser Herausforderung mit einem Kulturwandel, der alle Abteilungen und Bereiche umfasst.

Mit der Einführung eines unternehmensweiten, funktionsübergreifenden Supply-Chain-Managements unter Einbindung von Lieferanten, internen Abläufen und Kundenanforderungen will HENSOLDT den Fluss von Informationen, Material und Geld optimieren. Das dynamische Zusammenwirken der verschiedenen Teile der Lieferkette, das mit der Verringerung der Fertigungstiefe und der zunehmenden Arbeitsteilung nötig wurde, macht dabei den Unterschied aus. Im Schwerpunkt werden das Sales- bzw. das Projektmanagement der Divisionen inklusive Customer Service und das Sourcing mit den aktuellen Produktionsplänen dynamisch gekoppelt, um Verschwendungen und Ineffizienzen weitestgehend zu vermeiden.

Was sich in Teilen der Industrie schon lange bewährt hat, wird nun bei HENSOLDT das Projektmanagement zahlreicher laufender Projekte wesentlich effizienter gestalten und nebenbei die Zusammenarbeit der verschiedenen Funktionen weiter forcieren.

Denn die Basis für die integrierte, digitale Implementierung des Supply-Chain-Managements bildet das gemeinsame Erarbeiten eines optimalen, schlanken Prozesses.

Ausbau von Kompetenz und Effizienz

Parallel werden Maßnahmen zur Förderung der Entwicklungs- und der Engineering-Excellence sowie zur Optimierung der Produktion und der Lagerreichweiten umgesetzt.

So ermöglicht beispielsweise die divisionsübergreifende Abstimmung in den Bereichen Forschung & Technologie (R&T) sowie Forschung & Entwicklung (R&D) die gemeinsame Entwicklung von Grundlagen zur Produktweiterentwicklung sowie den optimalen Einsatz der Ressourcen und die nötige Flexibilität.

Mit dem Ziel, das gesamte Unternehmen beweglicher, schneller und effizienter zu machen, wird eine Kultur der kontinuierlichen Verbesserung aufgebaut. Schluss mit dem Silo-Denken, hin zu einer ganzheitlichen Optimierung, lautet die Devise.

Wie ein Schweizer Uhrwerk

Dabei ist sich das Management durchaus bewusst, dass ein solcher Wandel nicht von heute auf morgen erfolgt. Vielmehr sind sowohl die Führungskräfte als auch jeder einzelne Mitarbeiter aufgefordert, diesen Wandel täglich neu zu leben. Veränderungen sollen nicht nur von oben nach unten angeordnet, sondern müssen genauso auch von unten nach oben in das Unternehmen getragen werden.

Die bereits angestoßenen Optimierungen der Organisation bilden dabei das Fundament einer dauerhaften internen Zusammenarbeit zwischen allen Bereichen. Damit alles reibungslos ineinander fasst, wie bei einem Schweizer Uhrwerk, und gemeinsam das Beste für HENSOLDT herausgeholt werden kann.